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Anschreiben: 7 Floskeln, die dich den Job kosten. So ersetzt du sie.

10 Min.
Auf einen Blick

Recruiter:innen lesen das Motivationsschreiben am Bildschirm und scannen in Sekunden. Wenn die Bewerbung mit einer abgenutzten Standardformulierung beginnt, hast du es schwer, gelesen zu werden. Dieser Artikel zeigt dir sieben typische Standardsätze und konkrete Alternativen von Andrea Kern. Plus ein einfacher Trick, damit dein Anschreiben überhaupt geöffnet wird.

Ein Schweizer Unternehmen rekrutierte kürzlich für eine Stelle. 60 Prozent der eingegangenen Bewerbungen begannen mit demselben Satz: „Mit grossem Interesse bin ich auf Ihr Stelleninserat gestossen.“ Diese Bewerbungen kamen kaum durch die erste Sichtung. So sieht der Bewerbungsmarkt heute aus, in dem du dich abheben willst.

Jobhackerin und Karrierecoach Andrea Kern arbeitet seit Jahren mit Schweizer Stellensuchenden. Sie sieht dieselben Standardsätze immer wieder. Im jobs.ch Webinar „Das moderne Bewerbungsschreiben: Weniger Floskel, mehr Du!“ hat sie mit Marco Lipp von jobs.ch die häufigsten gesammelt. Sie zeigt dir, wie du sie ersetzt.

Du bekommst hier sieben Vorher-Nachher-Beispiele direkt von Andrea. Dazu eine Methode, mit der du eigene Formulierungen produzierst. Und Andreas Geheimtipp, damit dein Anschreiben überhaupt gelesen wird.

 

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Warum dein Anschreiben nicht gelesen wird

Zwei Dinge wirken zusammen. Recruiter:innen lesen heute nicht mehr auf Papier, sondern auf dem Bildschirm. Sie scannen, statt zu lesen. Wer in den ersten drei Zeilen ankommt, wird weitergelesen.

Dazu kommt: Seit ChatGPT klingen Anschreiben gleich. Dieselben Wendungen, dieselben Adjektive, derselbe glatte Einheitston. Eine Bewerbung, die wie alle anderen klingt, fällt nicht auf. Genau hier liegt deine Chance.

Andrea Kern unterscheidet zwischen Hinzu-Motivation und Weg-von-Motivation. Recruiter:innen wollen wissen, warum du zu diesem Unternehmen willst. Nicht nur, dass du irgendeinen Job brauchst. Diese Information fehlt in vielen Anschreiben. Die folgenden sieben Beispiele liefern sie.

Die 7 Sätze, die fast jede Bewerbung enthält

Den ersten Satz behandelt Andrea separat. Wenn du dort Inspiration brauchst, findest du in „Der verflixte erste Satz“ mehrere Vorlagen für einen Einstieg ohne Floskeln. Hier geht es um die sieben Standardsätze, die im weiteren Verlauf des Anschreibens am häufigsten auftauchen.

1. „Ich verfüge über langjährige Berufserfahrung in unterschiedlichen Branchen und kann mich gut auf Neues einstellen.“

„Ob Hotellerie, Verwaltung oder Versicherung: Ich war schon in ganz unterschiedlichen Branchen tätig und finde mich auch im Sozialwesen rasch zurecht.“

2. „Ich verfüge über gute Excel-Kenntnisse, die ich gerne in Ihre Buchhaltung einbringe.“

„Excel nutze ich nicht nur für einfache Tabellen. Ich erstelle Auswertungen mit Filtern und Pivot, berechne Monatsübersichten und visualisiere Daten mit Diagrammen.“

3. „Ich kann gut verhandeln.“

„Ich gehe nie ohne Plan B in ein Gespräch. Genau das hat mir geholfen, bei Lieferanten mehrfach bessere Konditionen zu erzielen.“

4. „Ich bin multitaskingfähig und belastbar.“

„Wenn das Telefon klingelt, ein Kunde wartet und die Präsentation fertig werden muss, bleibe ich ruhig und erledige alles Schritt für Schritt, ohne Qualitätsverlust.“

5. „Ich agiere lösungsorientiert und kann gut improvisieren.“

„Als im Workshop plötzlich der Beamer ausfiel, stellte ich kurzerhand auf Flipchart um. Die Gruppe arbeitete danach sogar aktiver mit.“

6. „Ich verfüge über eine ausgeprägte interkulturelle Kompetenz.“

„Durch meine Reisen in Marokko, Chile und Südafrika weiss ich, wie wichtig klare Informationen sind. Das hilft mir, Menschen zu begleiten, die bei uns neu ankommen.“

7. „Über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen.“

„Tauschen wir uns bald darüber aus, wie ich Anna Muster und Eva Beispiel bei den Fällen unterstützen kann? Dann freue ich mich auf ein erstes Kennenlernen in St. Gallen.“

„Schreib so, wie du sprechen würdest, wenn dir jemand die richtige Frage stellt.“

Die Selbst-Interview-Methode

Die sieben Ersatzformulierungen sind ein guter Start. Wenn du dauerhaft bessere Anschreiben schreiben willst, brauchst du eine Methode. Andrea Kern empfiehlt das Selbst-Interview. Schreib dir 15 bis 20 Fragen zur Stelle und zum Unternehmen auf. Was reizt dich an dieser Rolle? Welche deiner Erfahrungen passen hier? Was würdest du in den ersten 90 Tagen tun?

Beantworte die Fragen laut oder schriftlich, in ganzen Sätzen. Aus deinen Antworten wird das Motivationsschreiben. Diese Sätze klingen nach dir, weil sie von dir kommen. Genau so funktioniert es in der Praxis.

Wenn du ChatGPT nutzen willst, dreh den Prozess um. Die übliche Variante „Schreib mir ein Anschreiben für diese Stelle“ produziert genau die Standardsätze, die du gerade vermeiden willst. Sprich stattdessen deine Antworten ins Smartphone und lass sie transkribieren. Gib sie ChatGPT mit der Anweisung, deine Formulierungen zu erhalten und nur Struktur und Grammatik zu glätten. Dein Stil bleibt drin, der KI-Ton bleibt draussen.

Andreas Geheimtipp: das Deckblatt

Wenn du Zeit in dein Motivationsschreiben investierst, soll es auch gelesen werden. Genau daran scheitert es oft. Viele Bewerbende laden das Anschreiben separat in ein Bewerbungsportal hoch oder hängen es einzeln an eine E-Mail. HR schaut sich aber zuerst den Lebenslauf an. Passt der nicht sofort zur Stelle, wird das Anschreiben gar nicht erst geöffnet.

Andreas Lösung ist denkbar einfach: Erstelle ein einziges PDF-Dokument für deine Bewerbung. Auf der ersten Seite steht ein Deckblatt, danach folgt das Motivationsschreiben und anschliessend der Lebenslauf. So scrollt die lesende Person zumindest über dein Schreiben, um überhaupt zum Lebenslauf zu gelangen. Diese paar Sekunden können entscheidend sein.

Strukturiere zusätzlich das Motivationsschreiben selbst: Zwischenüberschriften oder eine kurze Key-Message-Box am Anfang helfen beim Scannen. Wer scannt, braucht Ankerpunkte. So hebst du dich vom Rest ab.

Wenn die Rolle es zulässt, darfst du auch mal das Format brechen. Ein Bewerber hat sein Anschreiben kürzlich im WhatsApp-Stil geschrieben und damit den Job bekommen. Das passt nicht zu jeder Stelle. Aber es zeigt, dass mutige Entscheidungen Aufmerksamkeit erzeugen können.

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Häufige Fragen zu Bewerbungsschreiben-Floskeln

Was sind Floskeln in einem Bewerbungsschreiben?

Floskeln sind austauschbare Standardsätze ohne konkrete Aussage. Typische Beispiele: „mit grossem Interesse gelesen“, „flexibel und teamfähig“, „freue mich über eine Einladung“. Sie verraten wenig über dich oder deine Motivation und werden beim Scannen oft übersehen.

Wie beginne ich ein Bewerbungsschreiben, ohne floskelhaft zu klingen?

Der erste Satz nennt eine konkrete Person, ein Produkt oder ein Detail aus der Stellenanzeige. Andrea Kern zeigt im Artikel „Der verflixte erste Satz“ mehrere konkrete Vorlagen für einen Einstieg ohne Floskeln. Schon eine spezifische erste Zeile unterscheidet dich von den Bewerbungen, die mit derselben Standardformulierung beginnen.

Welche Wörter sollte ich im Bewerbungsschreiben vermeiden?

Streich abgenutzte Adjektive wie „flexibel“, „teamfähig“, „belastbar“, „motiviert“, „dynamisch“ und „multitaskingfähig“. Streich auch Selbsteinschätzungen wie „gute Excel-Kenntnisse“ oder „kann gut verhandeln“. Ersetz sie durch konkrete Situationen, Zahlen oder Tätigkeiten, die das Gemeinte greifbar machen.

Darf ich ChatGPT für mein Bewerbungsschreiben nutzen?

Ja, aber nicht als Erstautor. Wenn du die Anweisung „Schreib mir ein Anschreiben“ gibst, bekommst du die typischen Standardsätze, die hier nicht weiterhelfen. Sprich stattdessen deine Antworten auf 15 bis 20 Selbst-Interview-Fragen ein und lass sie transkribieren. Gib sie ChatGPT mit der Anweisung, deine Formulierungen zu erhalten und nur Struktur und Grammatik zu glätten.

Wie lang darf ein modernes Bewerbungsschreiben in der Schweiz sein?

Eine Seite ist Standard, eine halbe Seite oft besser. Recruiter:innen lesen am Bildschirm und scannen in Sekunden. Zwischenüberschriften oder eine Key-Message-Box am Anfang helfen beim Scannen. Eine zweite Seite ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Stelle ein detailliertes Motivationsschreiben verlangt.

Soll ich Bewerbungsschreiben und CV als zwei Dateien einreichen?

Nein. Erstelle ein einziges PDF-Dokument für deine Bewerbung. Auf der ersten Seite steht ein Deckblatt, danach folgt das Motivationsschreiben, anschliessend der Lebenslauf. Andrea Kern empfiehlt diese Reihenfolge ausdrücklich. So scrollt die lesende Person über dein Schreiben, um zum Lebenslauf zu gelangen, und dein Anschreiben bekommt überhaupt eine Chance.

Muss jedes Bewerbungsschreiben individuell sein?

Ja. Ein Standard-Anschreiben mit ausgetauschtem Firmennamen fällt auf und wirkt wenig überzeugend. Mindestens der erste Absatz, die genannten Branchen oder Tätigkeiten und der Schlusssatz sollten zur konkreten Stelle passen. Die Selbst-Interview-Methode liefert dir das passende Material in 30 Minuten.

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Der Text dieses Artikels, das begleitende Bild und die Videozusammenfassung wurden mit Unterstützung von KI erstellt. Das Video wurde mit NotebookLM produziert.

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